Nach den für sie enttäuschenden Ergebnissen der Bundestagswahlen von 1953 und 1957 diskutiert die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) über eine Reform ihrer Organisation und ihres Programms. Sie muss sich neue Wählerschichten erschließen, um endlich auch im Bund Regierungsverantwortung übernehmen zu können. Mit dem Godesberger Programm reagiert die SPD 1959 auf gesellschaftlichen und politischen Wandel. Sie öffnet sich für neue gesellschaftliche Gruppen.

SPD-Parteitag in Bad Godesberg

Ein außerordentlicher SPD-Parteitag, der vom 13. bis 15. November 1959 in Bad Godesberg stattfindet, verabschiedet mit 324 gegen 16 Stimmen ein neues Grundsatzprogramm, das sogenannte Godesberger Programm. Zuvor waren zahlreiche Änderungsvorschläge für den von einer Kommission unter Willi Eichler erarbeiteten Entwurf beraten worden. Die SPD verabschiedet sich von den Lehren von Karl Marx. Sie bekennt sich zur Sozialen Marktwirtschaft und zum Privateigentum der Produktionsmittel. Sie sucht die Zusammenarbeit mit den Kirchen, bejaht die Bundeswehr und die Landesverteidigung im Rahmen der NATO. Mit dem Godesberger Programm wird aus der alten Arbeiterpartei programmatisch eine moderne Volkspartei, die sowohl mit der CDU/CSU als auch mit der FDP Koalitionen bilden kann.

"Hoffnungsträger" Willy Brandt

Der neue Kurs der SPD hat auch personelle Konsequenzen. Auf dem Parteitag von Hannover 1960 wird der 46-jährige Willy Brandt anstelle des Parteivorsitzenden Erich Ollenhauer zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 1961 gewählt. Brandt steht als Repräsentant für den Aufbruch und die Erneuerung der Partei.

(ag, mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 13.04.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Grau, Andreas/Würz, Markus: Godesberger Programm, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/weg-nach-westen/godesberger-programm.html
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