Aufgrund von Kriegszerstörungen und der zugezogenen Flüchtlinge und Vertriebenen ist Wohnraum in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) knapp. Das SED-Regime nutzt zunächst Städtebau und Architektur, um die Idee des Sozialismus zu versinnbildlichen. "Sozialistische Städte" sollen entstehen und allen Werktätigen eine hohe Wohnqualität bieten. Vorzeigeprojekt ist die Stalinallee in Ost-Berlin. Ab Mitte der 1950er Jahre entstehen schließlich nach Plattenbauweise gefertigte Wohnsiedlungen. Weil die Planvorgaben nicht erfüllt werden können, bleibt der Wohnungsmangel allerdings bestehen.

Aufbaugesetz

Im "Gesetz über den Aufbau der Städte" von 1950 wird Wohnungs- und Städtebau zum Bestandteil der sozialistischen Zentralplanwirtschaft erklärt. Der Staat erhält ein Verfügungsrecht zur Bebauung des Bodens im Interesse des Volkes, die Boden- und Mietpreise werden eingefroren. Die Verteilung von Wohnraum erfolgt durch eine staatliche Kommission. Um die "Idee des Sozialismus" auch in der Architektur umzusetzen, formuliert das SED-Regime "Grundsätze des Städtebaus". Repräsentative Wohnungen für die "Werktätigen" sind ein erklärtes Ziel. Dies verteuert allerdings deren Bau und bis 1955 werden nur rund 270.000 Wohnungen geschaffen. Zu den wichtigsten Bauvorhaben gehören die Wohnstadt "Stalinstadt" des Eisenhüttenkombinats Ost und die Stalinallee in Ost-Berlin.

Nationales Aufbauwerk

Um den Aufbau Ost-Berlins voranzutreiben, ruft das Nationale Aufbauwerk (NAW) im Namen der SED die Menschen dazu auf, sich freiwillig unentgeltlich am Aufbau zu beteiligen. Das NAW wird schließlich auf das gesamte Land ausgeweitet.

Plattenbau

Mitte der 1950er Jahre ändert die DDR ihre baupolitische Zielrichtung und setzt auf den preisgünstigen industriellen Massenwohnungsbau. Wie in der "zweiten sozialistischen Wohnstadt" Hoyerswerda entstehen an den Stadträndern große Wohnviertel in Plattenbauweise. Das Versprechen, bis 1965 den Wohnungsmangel zu beheben, kann das SED-Regime allerdings nicht einhalten.

(ahw, mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 29.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Hinz-Wessels/Würz, Markus, Annette: Bauen im Sozialismus, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/wirtschaft-und-gesellschaft-im-osten/bauen-im-sozialismus.html
Zuletzt besucht am: 11.12.2017

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