Kunst und Literatur sind für das SED-Regime "Waffen für den Sozialismus". Es sieht nach dem Vorbild der Sowjetunion im Sozialistischen Realismus die einzige künstlerische Gestaltungsweise für Künstler und Schriftsteller in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Andere Richtungen werden als "formalistisch" abgelehnt und bekämpft. Ende der 1950er Jahre versucht das SED-Regime mit dem "Bitterfelder Weg" die Trennung von Künstlern und Volk zu überwinden, um eine "sozialistische Nationalkultur" zu schaffen.

Sozialistischer Realismus

Durch "wahrheitsgetreue und historisch konkrete künstlerische Darstellung" sollen Schriftsteller dazu beitragen, die werktätigen Menschen im Geiste des Sozialismus ideologisch zu erziehen. Entsprechend unterstützt die SED eine "Aufbauliteratur". Auch werden klassische Werke und Autoren der Emigration gefördert, russische Literatur wird übersetzt. Moderne westliche Literatur ist nur begrenzt und in kleinen Auflagen zugelassen. Es entsteht ein flächendeckendes System von staatlichen Bibliotheken. Die Buchproduktion steigt enorm an, niedrige Preise regen zum Kauf an.

Über die Umsetzung der kulturpolitischen Beschlüsse, Themenplanung und Papierzuteilung an die Verlage wachen das "Amt für Literatur und Verlagswesen" und die "Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten". Deren Aufgaben gehen 1954 auf das neue Ministerium für Kultur über, das der Schriftsteller Johannes R. Becher leitet.

Bertolt Brecht

Dem 1949 nach Ost-Berlin zurückgekehrten Dramatiker Bertolt Brecht gewährt das SED-Regime mit dem "Berliner Ensemble" außergewöhnliche Arbeitsbedingungen. Offene Kritik an der Staatsführung übt er selten. Brecht sieht sich als überzeugten Marxisten, ohne sich jedoch der offiziellen Parteilinie zu unterwerfen.

Unterdrückung

Die Unterdrückung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 stößt bei der DDR-Intelligenz kaum auf offene Ablehnung. Nach der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes setzt 1956 ein verschärfter Kampf der SED gegen "Revisionisten" und andere "Abweichler" ein. Oppositionelle Intellektuelle wie Erich Loest werden verhaftet oder wie Ernst Bloch ihrer Ämter enthoben. Verfolgung und politische Gängelung bewegen Autoren wie Gerhard Zwerenz und Uwe Johnson dazu, die DDR zu verlassen. Zu den wenigen Gegenbeispielen gehört der Schriftsteller Stefan Heym, der 1952 in die DDR umsiedelt.

Bitterfelder Weg

Unter dem Slogan "Greif zur Feder, Kumpel. Die sozialistische Nationalliteratur braucht Dich!" gibt im April 1959 eine im Elektrochemischen Kombinat in Bitterfeld tagende Autorenkonferenz die Zukunft der Literaturarbeit vor: Autoren sollen in Fabriken arbeiten und Arbeiter schriftstellerisch tätig werden, um die "Entfremdung zwischen Künstler und Volk" zu überwinden. Der Versuch, auf dem "Bitterfelder Weg" eine "sozialistische Nationalkultur" zu schaffen, misslingt jedoch.

(ahw, mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 22.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Hinz-Wessels, Annette/Würz, Markus: Literatur Ost, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/kulturelles-leben/literatur-ost.html
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